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RTL-Boxabend in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle Stuttgart Von Fabian Kübler, 23.03.09
„Let's get this Party startet“ raunte Ringsprecher Michael Buffer kurz vor 23 Uhr in sein Mikrofon. Die Halle tobte, denn er hatte recht. „Lasst es endlich los gehen“ dürften die meisten der etwa 14.000 Zuschauer in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle gedacht haben, schließlich lagen gut 4,5 Stunden Vorprogramm hinter uns.
Die Anreise
ÖPNV: Je nach Veranstaltung werden unterschiedliche zubringerverkehre von Seiten der SSB organisiert. Über die jeweiligen Zubringerverkehre kann man sich auf den Seiten des VVS oder der SSB erkundigen.
Liniennetzplan des VVS mit barrierefreien Stationen.
Die Stationen der Stuttgarter Stadtbahn sind fast alle barrierefrei, inklusive der Haltestelle NeckarPark (Stadion) wo sich die Arena befindet. Diese wird von Stadtbahnen nur bei Sonderverkehr angefahren, regelmäßig verkehren die Buslinien 51 und 56, wo allerdings auch Hochfluhrfahrzeuge zum Einsatz kommen können. Die nächste Dauerhaft angebundene Haltestelle der Stadtbahn ist die Haltestelle Bad Cannstatt-Wilhemsplatz (U13-Haltestelle nicht barrierefrei), oder die S-Bahn Haltestelle Bad Cannstatt.
KFZ: Mit den Auto kommt man gut zur Schleyerhalle. Ein Parkleitsystem weißt schon lange vor der Halle zu den richtigen Plätzen. Gegen 18:30 Uhr trafen wir am Parkplatz, dem Cannstatter Wasen ein und wurden direkt in einen gesonderten Parkbereich geleitet. Hier hat der Veranstalter seine Hausaufgaben wirklich gemacht, denn der Steg Richtung Halle war nach kurzer Laufstrecke erreichbar.

Problemloser Einlass
Die Am Haupteingang der Mehrzweckhalle reihten wir uns in die langen Schlangen ein. Einen gesonderten Eingang/eine gesonderte Kontrolle für Rollifahrer suchten wir vergebens. Es ist aber auch möglich, dass wir ihn in dem Trubel einfach übersehen haben. Für mich aber eigentlich weniger ärgerlich, denn wer zu so einer Großveranstaltung geht muss mit Wartezeiten rechnen. Noch dazu meinte es der Stuttgarter Abendhimmel gut mit uns und verschonte die wartende Meute vor dem Regen.
Kaum durch die ersten Ticket-Kontrollen durchgekommen wurden wir von einem Herren im Anzug in Empfang genommen. Er hat uns über abenteuerliche Wege - genauer gesagt: durch die Katakomben der Schleyer-Halle – in Richtung unseres Blocks geführt. Als wir so in den Eingeweiden der Halle unterwegs waren haben wir eigentlich nur darauf gewartet urplötzlich bei „Dr. Klitschko“ persönlich in der Kabine zu stehen. Zum Glück blieb uns das aber erspart – verschwitzte Männer in Bademänteln brauch ich nicht in unmittelbarer Nähe...
Versperrte Sicht
Am Platz angekommen war die Ernüchterung groß. Für den Preis von 100 EUR/Karte kann man denke ich erwarten, dass man sieht, was im Ring so abgeht. Wir saßen in Block WA und hatten das Pech, dass der VIP-Eingang direkt neben uns war (s.h. Skizze). Ganz egal ob nun Leute wie Oliver Pocher, Boris Becker, der Kaiser oder einige aktive und ehemalige VfB-Profis hereinkamen – bei uns war immer die Hölle los. Offenbar sind die Leute nur zu diesem Event gekommen um sich mit einigen C-Promis fotografieren zu lassen. Nun gut, jedem das Seine. Wer unbedingt ein Foto mit Kai Ebel braucht, der soll es kriegen. Aber dass ich von 7 Vorkämpfen nicht einen wirklich sehen konnte hat mir dann doch gestunken und nicht nur mir. Wie gesagt: Immer vor dem Hintergrund was hier eine Rolli-Karte kostet.
Und dabei hatten es die Vorkämpfe schon in sich. Unter anderem Chris Byrd, immerhin ehemaliger Weltmeister, hat sich über 12 Runden geklopft. Nur interessiert hat es keinen. Zumindest nicht in meiner Nähe ...
Rolli-Toiletten für Jedermann
Vor dem Hauptkampf habe ich dann noch die Toiletten besucht. Nun muss man zur Verteidigung der Schleyer-Halle festhalten, dass sie schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Insofern hat mich der vergleichsweise enge Raum auch nicht gestört. Ziemlich eklig fand ich dann den Zustand der Toilette aber schon. Klopapier auf dem Boden, penetranter Uringestank, Kaugummi unter der Klobrille und „Flüssigkeiten“ auf dem Boden müssen nicht sein. Lässt sich aber nicht vermeiden wenn selbst Nichtbehinderte, die nur zu faul sind die Treppen in den nächsten Stock zu nehmen vom noch fauleren Security-Personal auf die Rolli-Toilette verwiesen werden (so erlebt!). Die Leute müssen ja schnell wieder raus, schließlich könnte ja Heino in der Zwischenzeit am Eingang stehen – da bleibt für Hygiene keine Zeit. Zu dumm das ich auf die Schüssel sitzen muss. Wer keine WC-Tücher dabei hat, ist selbst schuld. Ebenfalls nicht optimal war die Zufahrt zu den Toiletten. Es ging eine enorm steile Rampe nach unten (und anschließend wieder nach oben), die für mich ohne Begleitung nie machbar gewesen wäre. Außerdem musste man sich an den ganzen Groupies vorbei quetschen, die am VIP-Eingang standen. Wer da eilig auf den Topf musste, hatte mit Sicherheit zu kämpfen.
An die Imbiss-Stände bin ich ebenfalls nicht gekommen. Die waren ein Stockwerk höher und unserer Meinung nach nur über Treppen zu erreichen. Ich bin kein Prinzipien-Reiter, aber auch hier gibt der Veranstalter kein gutes Licht ab. Ich sehe ja ein, dass es sinnvoller ist die Begleitung in die Schlange zu schicken, aber ich würde wenigstens gerne von weitem lesen können, was es zur Auswahl gibt.
Let’s get ready to rumble
Als der Hauptkampf dann endlich los ging saßen zumindest alle Zuschauer und die Sicht auf den Ring war frei. Zwar recht weit weg (Foto rechts täuscht), aber trotzdem akzeptabel. Warum RTL aber drei riesige Videowände aufhängt um dann nichts darauf zu zeigen, außer „RTL-Boxen“ bleibt ihr Geheimnis. Für mich wären sie spätestens dann hilfreich gewesen, als der Kampf kurz vor dem K.O.-Ende war und das Publikum stand. Keine Vorwürfe an die Boxfans, denn auch damit musste ich rechnen. Aber das ich beinahe überrannt werde und noch heute blaue Flecken habe ist unnötig und ebenso vermeidbar. Vermeidbar deshalb, weil der Innenraum auf einem extra verlegten Holzboden bestuhlt war. Nicht nur ich blieb andauernd an der saublöden Kante hängen und konnte daher nicht kurzfristig beiseite fahren.
Direkt nach dem Knockout und dem anschließenden Jubel haben wir uns Richtung Ausgang begeben. Schließlich stand vor uns schon wieder alles voll und die Videowände waren aus. Zu sehen gab es also (schon wieder) nichts.
Liebe Veranstalter:
Ich bin mir bewusst, dass es nicht immer einfach ist, jeden Hallenmeter zu 100 Prozent rollifreundlich zu gestalten und auch ich einen gewissen Grad an Flexibilität mitbringen muss. Ich muss mir im Vorfeld bewusst sein, dass die baulichen Voraussetzungen in einer Jahrzehnte alten Halle eben nicht mehr auf dem neuesten Stand sind. Insofern seien euch die kleinen Toiletten und steilen Rampen verziehen. Aber in diesem Falle waren die Einschränkungen einfach zu gewaltig. Das fängt bei völlig verdreckten Toiletten an und hört bei elementaren Dingen wie der Sicht auf den Ring auf. Wofür bezahle ich denn sonst Eintritt?
Boxen in der Schleyer-Halle ist für mich und alle anderen Rollifahrer jedenfalls gestorben. Das bereitstellen von Rollstuhltickets ist der Bemühungen nicht genug. Ein durchdachtes Konzept muss her! Setzen, sechs!
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